Offener Brief fordert Rücktritt von Bundesgesundheitsministerin Warken – Kritik an Kriminalisierung von Sexarbeit
- Nicole Schulze
- 22. Nov.
- 2 Min. Lesezeit

Expert:innen und Sexarbeitende warnen vor den Folgen des „Nordischen Modells“
Sehlem, 22. November 2025 – In einem offenen Brief an Bundesgesundheitsministerin Warken haben Sozialwissenschaftler:innen, Sexualtherapeut:innen, Ärzt:innen, Beratungsstellen und Sexarbeitende ihren Rücktritt gefordert. Anlass ist ihre öffentliche Unterstützung für das sogenannte „Nordische Modell“, das die Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen kriminalisieren soll.
Die Unterzeichner:innen kritisieren, dass die Ministerin damit zentrale wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert. Die im Juni 2025 veröffentlichte Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes zeigt deutlich: Repressive Ansätze erhöhen das Risiko von Gewalt, verschlechtern die Gesundheitsversorgung und schwächen Prävention – zum Schaden der Sexarbeitenden und der öffentlichen Gesundheit.
„Wer Ideologie über Wissenschaft und Menschenrechte stellt, kann die Verantwortung dieses Amtes nicht tragen“, heißt es im Schreiben.
Zu den Erstunterzeichner:innen gehören u. a. die Sozialwissenschaftlerin Elfriede Steffan, die Beratungsstelle Hydra e.V., die Sexualwissenschaftlerin Harriet Langanke, Ärzt:innen, Therapeut:innen sowie zahlreiche Sexarbeitende, darunter Nicole Schulze.
Der offene Brief fordert eine faktenbasierte und menschenrechtskonforme Gesundheitspolitik, die Sicherheit und Selbstbestimmung stärkt.
Sehr geehrte Frau Bundesministerin,
im ZDF-Morgenmagazin vom 13. November 2025 sprachen Sie sich für das so genannte „Nordische Modell“ und damit für eine Kriminalisierung der Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen aus. Mit dieser Forderung ignorieren Sie wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach solche Verbote sich in erster Linie negativ auf Sexarbeitende auswirken.
Insbesondere missachten Sie die Erkenntnisse der im Juni veröffentlichten, mit Steuergeldern finanzierten Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes.
Die Evidenz ist eindeutig: Repressive Ansätze erhöhen das Risiko von Gewalt, verschlechtern die Gesundheitsversorgung und schwächen Prävention – zum Schaden der Sexarbeitenden und letztlich der öffentlichen Gesundheit. Das bewusste Ausblenden solch zentraler wissenschaftlicher und menschenrechtlicher Fakten zeugt von fehlendem Sachverstand im Umgang mit einem hochkomplexen Politikfeld.
Als Gesundheitsministerin dürfen Sie die gesundheitlichen Folgen des von Ihnen propagierten Verbots nicht ausblenden. Wer Ideologie über Wissenschaft und Menschenrechte stellt, kann die Verantwortung dieses Amtes nicht tragen.
Wir fordern Sie daher zum Rücktritt auf, um den Weg für eine faktenbasierte und menschenrechtskonforme Gesundheitspolitik freizumachen.
Mit freundlichen Grüßen von den Erstunterzeichner:innen:
Elfriede Steffan, Berlin, Sozialwissenschaftlerin
Harriet Langanke, Köln, Sexualwissenschaftlerin
Hydra e.V., Berlin, Beratungsstelle
Roter Stöckelschuh, Projekt, Berlin/Köln
Deborah Hacke, Berlin, Sexualwissenschaftlerin
Maia Ceres, Berlin, Sexarbeiterin
Nina Hannemann, Hamburg, Sexualtherapeutin
Jörg Signerski-Krieger, Göttingen, Sexualtherapeut
Sarah Mewes, Köln, Sexarbeiterin
Matthias Wulle, Hagen, Allgemeinmediziner
Elias Goldmund, Berlin, Sexarbeiter
Roberta Schlüter, Freiburg, Projekt MSV
Helena Jestaedt, Bochum, Projekt MSV
Ricardo Werner, Berlin, Arzt
Valentin Ansvar, Köln, Initiative Kundschaft
Nicole Schulze, Sehlem, Sexarbeiterin
Heinrich Dette, Berlin, Sexarbeiter
Konstantin Dellbrügge, Nürnberg, Sexarbeiter
Heidrun Nitschke, Kassel, Gynäkologin

