„Selbstbestimmte Sexualität ist kein Luxus – sie ist ein Menschenrecht.“
- vor 1 Tag
- 2 Min. Lesezeit

Es gibt Sätze, die nicht einfach nur gesagt werden, sondern sie werden gelebt. Der Satz „Selbstbestimmte Sexualität ist kein Luxus. Sie ist ein Menschenrecht.“ begleitet mich seit vielen Jahren. Er ist Leitstern, Haltung und tägliche Motivation zugleich.
Er ist der Grund, warum ich jeden Tag Räume betrete, in denen Menschen oft viel zu lange unsichtbar waren.
Wenn ich in eine Einrichtung komme, wenn ich mich an einen Tisch setze, wenn ich einem Menschen zum ersten Mal begegne, dann spüre ich sofort, wie viel Sehnsucht nach echter Begegnung im Raum liegt.
Sexualität ist kein Randthema. Sie ist Teil unserer Identität, unserer Würde, unseres Wohlbefindens.
Und doch wird sie gerade in Pflege, Assistenz und Behindertenhilfe noch immer tabuisiert, kontrolliert oder schlicht ignoriert.
Dabei zeigt mir meine Arbeit jeden Tag:
Menschen brauchen Nähe. Menschen brauchen Berührung. Menschen brauchen das Gefühl, gesehen zu werden, nicht nur als Pflegefall, Klientin oder Bewohner, sondern als ganzer Mensch mit Wünschen, Fantasien, Grenzen und Bedürfnissen.
Warum dieser Satz so wichtig ist
Selbstbestimmte Sexualität bedeutet nicht, dass alles möglich sein muss. Es bedeutet, dass Menschen ernst genommen werden. Dass ihre Wünsche nicht belächelt, sondern respektiert werden. Dass ihre Grenzen nicht übergangen, sondern geschützt werden. Dass ihre Bedürfnisse nicht als „Problem“ gelten, sondern als Teil ihrer Persönlichkeit.
In meiner Arbeit als Sexualassistentin, Beraterin und Aktivistin erlebe ich täglich, wie viel Mut es braucht, über Sexualität zu sprechen und wie viel Erleichterung entsteht, wenn endlich jemand zuhört, ohne zu werten.
Ein Blick hinter die Kulissen meiner Arbeit
Das Foto zeigt mich so, wie ich oft arbeite: mitten im Gespräch, mitten im Leben, mitten in der Realität vieler Menschen, die Unterstützung brauchen, um ihre Sexualität leben zu können. Ich sitze dort nicht als „Expertin von außen“, sondern als Mensch, der Menschen begegnet.
Ich sehe strahlende Augen, wenn jemand merkt: „Hier darf ich sein, wie ich bin.“ Ich höre leise Stimmen, die zum ersten Mal aussprechen, was sie sich wünschen. Ich erlebe Berührbarkeit, Verletzlichkeit, Stärke und Würde.
Und genau deshalb ist dieser Satz kein Slogan. Er ist ein Auftrag.
Was wir als Gesellschaft verstehen müssen
Sexualität verschwindet nicht, nur weil jemand alt wird. Sie verschwindet nicht, weil jemand Unterstützung braucht. Sie verschwindet nicht, weil jemand im Rollstuhl sitzt, im Pflegebett liegt oder nicht sprechen kann.
Sexualität ist ein Menschenrecht! Menschenrechte gelten immer!
Mein Wunsch
Ich wünsche mir eine Welt, in der Pflegekräfte nicht verunsichert sind, sondern geschult. In der Einrichtungen nicht blockieren, sondern ermöglichen.
In der Angehörige nicht schamvoll schweigen, sondern offen sprechen können.
In der Menschen mit Behinderung nicht infantilisiert werden, sondern als Erwachsene gesehen werden.
Und ich wünsche mir, dass dieser Satz irgendwann selbstverständlich wird:
Selbstbestimmte Sexualität ist kein Luxus. Sie ist ein Menschenrecht
Hier ein toller Film von meinem Kollegen Thomas Aeffner.





Kommentare