Expertenkommission zum Prostituiertenschutzgesetz – wichtige Chance, aber erneut ohne die Stimmen der Betroffenen
- Nicole Schulze
- vor 1 Tag
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Die erste Sitzung der von der Bundesregierung eingesetzten Expertenkommission zum Prostituiertenschutzgesetz hat bereits stattgefunden. Die Kommission wird über viele Monate hinweg Empfehlungen für eine Weiterentwicklung des Gesetzes erarbeiten und dabei Erkenntnisse aus Wissenschaft, Medizin, Sozialarbeit und Rechtswissenschaft zusammenführen.
Was jedoch erneut fehlt, ist die Perspektive der Menschen, die tagtäglich mit den Auswirkungen dieses Gesetzes leben müssen.
Als Sexarbeiterin und Vorsitzende des BesD sehe ich diese Leerstelle mit Sorge
Dass keine einzige sexarbeitende Person in die Kommission berufen wurde, ist ein strukturelles Problem. Gerade in einem Bereich, der von Stigma, Unsichtbarkeit und politischen Projektionen geprägt ist, braucht es die Expertise derjenigen, die die Realität der Branche kennen, in all ihrer Vielfalt.
Sexarbeitende wissen selbst am besten, welche Regelungen Schutz bieten und welche Hürden schaffen. Diese Erfahrungsebene lässt sich nicht durch externe Beobachtung ersetzen.
Die Evaluation des ProstSchG liefert klare Hinweise und muss ernst genommen werden
Die Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes ist die bislang umfangreichste Untersuchung zur Situation von Sexarbeitenden in Europa. Sie wurde unter aktiver Beteiligung von Sexarbeiter*innen durchgeführt und zeigt sehr deutlich, an welchen Stellen das Gesetz Reformbedarf hat.
Wenn Betroffene nicht am Tisch sitzen, müssen ihre Stimmen zumindest in Form dieser Daten und Erkenntnisse Gewicht bekommen. Alles andere wäre politisch fahrlässig.
Mein Appell: Betroffene einladen – besonders jene, die auf der Straße arbeiten
Ich hoffe sehr, dass die Kommission im weiteren Verlauf Sexarbeiterinnen aktiv anhört und einlädt.
Nicht nur Menschen aus der Beratung oder aus Studios, sondern ausdrücklich auch Kolleginnen, die auf der Straße arbeiten. Ihre Perspektive wird in politischen Prozessen besonders häufig übergangen, obwohl gerade sie von gesetzlichen Regelungen am stärksten betroffen sind.
Was jetzt zählt
Eine echte Verbesserung des Prostituiertenschutzgesetzes kann nur gelingen, wenn die Lebensrealitäten von Sexarbeitenden ernst genommen werden. Die Evaluation bietet dafür eine solide Grundlage. Doch ohne die Stimmen der Betroffenen bleibt jede Reform unvollständig.





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