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Internationaler Hurentag, die Geschichte, der Kampf und wo wir heute stehen!

  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit
Plakat zum internationalen Hurentag
Foto KI

Die Wurzeln des Widerstands: Lyon 1975


Am 2. Juni 1975 besetzten mehr als hundert Sexarbeiter*innen in Lyon die Kirche Saint‑Nizier.

Sie hatten genug von Polizeigewalt, Repression, Schikanen und einer Politik, die sie kriminalisierte, statt zu schützen.


Die Kirche wurde zu einem Zufluchtsort und zu einem Symbol.

Zum ersten Mal in der europäischen Geschichte erhoben Sexarbeiter*innen kollektiv ihre Stimmen und sagten:

„Wir sind Menschen. Wir verdienen Rechte. Wir verdienen Sicherheit.“


Dieser Moment markierte den Beginn einer internationalen Bewegung, die bis heute anhält.



Was sich verändert hat und was nicht


In den letzten Jahrzehnten hat sich viel bewegt:


• Es gibt mehr Forschung, mehr politische Debatten, mehr Stimmen aus der Community.

• Internationale Organisationen wie Amnesty International sprechen sich klar für Entkriminalisierung aus.

• Immer mehr Menschen verstehen, dass Sexarbeit Arbeit ist.



Und trotzdem:

Die Realität vieler Sexarbeiter*innen – auch in Deutschland – ist weiterhin geprägt von Stigma, Ausgrenzung und struktureller Gewalt.



Wo wir heute stehen: Zwischen Anerkennung und Abwertung


Deutschland hat ein Prostituiertenschutzgesetz, das in der Praxis oft mehr Kontrolle als Schutz bedeutet.

Sexarbeiter*innen werden registriert, überwacht, dokumentiert – aber nicht ausreichend geschützt.


Gleichzeitig wächst der politische Druck durch abolitionistische Gruppen, die Sexarbeit abschaffen wollen, statt die Lebensrealitäten der Menschen zu verbessern.

Das führt zu mehr Stigma, mehr Angst, mehr Unsichtbarkeit.


Meine persönliche Realität: Das Hurenstigma ist nicht Geschichte – es ist Gegenwart


Ich, Nicole Schulze, bin heute im Jahr 2026 immer noch dem Hurenstigma ausgesetzt.

Nicht in der Theorie, sondern im Alltag:

in Gesprächen, in Blicken, in politischen Debatten, in der Art, wie über mich und meine Arbeit gesprochen wird.


Das Stigma trifft mich als Mensch, als Frau, als Aktivistin, als Sexualassistentin, als Sexarbeiterin.

Es trifft meine Kolleginnen.

Es trifft Menschen, die ohnehin mehrfach marginalisiert sind:

Menschen mit Behinderung, queere Menschen, Migrantinnen, Menschen in Armut.


Und genau deshalb sage ich klar:

Wir kämpfen weiter.


Warum wir kämpfen – und für wen


Wir kämpfen für:


• Entkriminalisierung, damit Schutz endlich möglich wird

• Barrierefreiheit, damit Menschen mit Behinderung nicht ausgeschlossen werden

• Sichtbarkeit, damit wir nicht länger übersehen oder zum Schweigen gebracht werden

• Selbstbestimmte Sexualität

• Menschenrechte, weil sie für alle gelten müssen



Wir kämpfen für eine Gesellschaft, die uns nicht moralisch bewertet, sondern menschlich begegnet.

Für eine Politik, die mit uns spricht – nicht über uns.

Für ein Leben ohne Angst, ohne Scham, ohne Stigma.


Vielfalt ist Stärke – und Zukunft


Sexarbeit ist vielfältig.

Sexarbeiter*innen sind vielfältig.

Und unsere Bewegung ist vielfältig.


Ob mit oder ohne Behinderung, queer oder hetero, migrantisch oder deutsch, jung oder alt –

wir alle gehören dazu.


Und wir alle verdienen Respekt.


Der 2. Juni erinnert uns daran: Wir sind viele. Wir sind laut. Wir sind sichtbar.


Der Internationale Hurentag ist kein Gedenktag.

Er ist ein Kampftag.

Ein Tag der Solidarität.

Ein Tag, an dem wir sagen:


Sexarbeit ist Arbeit.

Vielfalt ist Stärke.

Barrierefrei – stigmafrei – selbstbestimmt.


Unterstütze uns darin Spende an den Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen. Lass uns gemeinsam ein Zeichen setzen.


Plakat zum Internationalen Hurentag
Foto KI

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