Sexualassistenz – Selbstbestimmung, Recht und gelebte Praxis
- vor 14 Stunden
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Sexuelle Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht. Und doch erleben gerade Menschen mit Behinderung, dass dieses Recht im Alltag oft nicht eingelöst wird.
Durch fehlende Unterstützung, durch Unsicherheit im Umfeld und durch gesellschaftliche Tabus, die Intimität nur für „gesunde“ oder „normale“ Körper denken.
Die aktuelle Folge der Reihe „60 Minuten Sexarbeit“ des BesD e.V. widmet sich genau diesem Spannungsfeld: Sexualassistenz zwischen Selbstbestimmung, rechtlichen Rahmenbedingungen und praktischer Begleitung.
🌱 Warum Sexualassistenz wichtig ist
Sexualität bedeutet weit mehr als Geschlechtsverkehr. Sie umfasst Nähe, Berührung, Körperlichkeit, Identität und das Gefühl, als Mensch gesehen zu werden. Für viele Menschen mit Behinderung sind diese Aspekte jedoch nicht selbstverständlich zugänglich.
Hier kann Sexualassistenz eine Brücke bauen: Sie schafft geschützte Räume, in denen Bedürfnisse ernst genommen und Grenzen respektiert werden.
Doch Sexualassistenz ist kein Freiraum ohne Regeln. Sie bewegt sich an der Schnittstelle von Pflege, Selbstbestimmung und Recht.
Genau dort entstehen Fragen:
Was ist erlaubt?
Wo beginnt die Verantwortung von Assistenzpersonen?
Wie wird Konsens sichergestellt, wenn Kommunikationsformen unterschiedlich sind?
Welche Rolle spielen Angehörige, Betreuer*innen oder Einrichtungen?
👥 Expertise aus Praxis und Wissenschaft
In der Veranstaltung sprechen zwei Menschen, die das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten:
Nicole Schulze, Sexualassistentin, Sexarbeiterin Aktivistin und Vorstandsvorsitzende des BesD, bringt über 20 Jahre Erfahrung aus der Begleitung von Menschen mit und ohne Behinderung ein. Sie kennt die Realität, die Unsicherheiten – und die tiefen menschlichen Momente, die Sexualassistenz möglich macht.
Prof. Dr. Volker Großkopf, Rechtswissenschaftler Pflegejurist und Herausgeber der Zeitschrift Rechtsdepesche, ordnet Sexualassistenz juristisch ein und zeigt, wo rechtliche Graubereiche entstehen und wie sie verantwortungsvoll navigiert werden können.
Gemeinsam beantworten sie Fragen aus dem Publikum – praxisnah, klar und ohne Tabus.
⚖️ Rechtliche Einordnung: Zwischen Schutz und Selbstbestimmung
Sexualassistenz bewegt sich im Spannungsfeld zwischen zwei Schutzgütern:
Schutz vor Übergriffen, insbesondere bei vulnerablen Personen
Schutz der sexuellen Selbstbestimmung, die auch Menschen mit Assistenzbedarf zusteht
Prof. Großkopf zeigt, dass die Rechtslage zwar Orientierung bietet, aber viele Situationen individuell betrachtet werden müssen. Besonders wichtig ist die Frage des Konsenses: Wie wird Zustimmung kommuniziert? Wie wird sie überprüft? Und wie wird sie respektiert, wenn sich Bedürfnisse oder Grenzen ändern?
🤝 Gelebte Praxis: Nähe, Respekt und professionelle Haltung
Nicole Schulze beschreibt Sexualassistenz als eine Arbeit, die auf Beziehung, Vertrauen und klaren Absprachen basiert. Sie betont:
Sexualassistenz ist kein Pflegeersatz, sondern eine eigenständige Form der Begleitung.
Sie erfordert Sensibilität, Erfahrung und die Fähigkeit, Menschen in ihrer Individualität wahrzunehmen.
Gute Sexualassistenz entsteht dort, wo Bedürfnisse nicht bewertet, sondern ernst genommen werden.
Ihre Perspektive zeigt, wie viel Selbstbestärkung und Lebensqualität Sexualassistenz ermöglichen kann. Wie wichtig es ist, dass diese Arbeit entstigmatisiert wird.
🎓 Für wen ist die Veranstaltung interessant?
Die Folge richtet sich an alle, die Sexualität und Assistenz neu denken wollen:
Studierende und Fachkräfte aus Pflege, Sozialer Arbeit und Beratung
Betreuer*innen und Angehörige
Menschen mit Behinderung
Sexarbeitende
Interessierte, die jenseits von Klischees verstehen wollen, was Sexualassistenz wirklich bedeutet
🎥 Aufzeichnung & Teilnahme
Die Veranstaltung ist kostenlos, offen für alle und wird im Anschluss auf dem YouTube-Kanal des BesD veröffentlicht.
💬 Fazit
Sexualassistenz ist ein Thema, das Mut braucht – Mut zum Hinschauen, zum Zuhören und zum Lernen. Die BesD‑Reihe „60 Minuten Sexarbeit“ schafft genau diesen Raum: informativ, respektvoll und nah an der Lebensrealität der Menschen, um die es geht.
Moderation Jay Stark
Sie zeigt: Sexuelle Selbstbestimmung ist kein Luxus. Sie ist ein Recht. Und Sexualassistenz ist ein Weg, dieses Recht für alle zugänglich zu machen.




