Wenn Nähe wieder Leben weckt Meine Erfahrungen mit Menschen mit Demenz
- vor 2 Tagen
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Demenz ist eine Erkrankung, die weit mehr betrifft als das Gedächtnis. Sie verändert Beziehungen, Identität, Orientierung und oft auch das Gefühl, noch Teil dieser Welt zu sein. Viele Menschen mit Demenz vereinsamen, nicht weil sie es wollen, sondern weil die Gesellschaft sich zurückzieht, sobald Kommunikation schwieriger wird. Der Anschluss geht verloren, und mit ihm ein Stück Lebensfreude.
In meiner Arbeit erlebe ich jeden Tag, wie viel Potenzial dennoch in diesen Menschen steckt. Wie viel Gefühl, wie viel Bedürfnis nach Nähe, wie viel Fähigkeit zur Beziehung weiterhin vorhanden ist. Und wie sehr sie aufblühen, wenn man ihnen auf Augenhöhe begegnet.
Selbstbestimmung trotz Demenz und wie ich sie unterstütze
Auch wenn Erinnerungen verblassen, bleibt eines bestehen: das Bedürfnis, gesehen zu werden. Viele meiner Klient:innen erinnern sich vielleicht nicht an meinen Namen, aber sie verbinden meine Anwesenheit mit einem guten Gefühl. Sie spüren, dass ich ihnen zugewandt bin. Dass ich sie ernst nehme. Dass sie bei mir sicher sind.
Ich erreiche diese Menschen über die Gefühlsebene. Dort, wo Worte nicht mehr tragen, trägt Berührung. Dort, wo Orientierung fehlt, entsteht Halt durch Beziehung. Und dort, wo Einsamkeit sich breitmacht, entsteht wieder ein Funken Lebenskraft.
Gemeinsame Momente, die tragen
Was wir gemeinsam tun, ist oft ganz einfach – und gerade deshalb so wertvoll:
• Spaziergänge Hand in Hand
• Kuscheln und Nähe, die Sicherheit schenkt
• Einander spüren, ohne Druck, ohne Erwartungen
• Auf Augenhöhe sein, nicht über die Person hinweg entscheiden
• Kleine Rituale, die Vertrautheit schaffen
Diese Momente sind nicht spektakulär. Aber sie sind zutiefst menschlich. Und sie erinnern meine Klient:innen daran, dass sie nicht allein sind.
Gebraucht werden, ein Gefühl, das bleibt
Viele meiner Klient:innen achten sehr auf mich. Sie möchten mir helfen, mich beschützen, mir etwas geben. Dieses Gefühl, gebraucht zu werden, ist für sie unglaublich wichtig. Es stärkt ihr Selbstwertgefühl und lässt sie wieder Teil eines Miteinanders sein.
Selbst wenn kognitive Fähigkeiten nachlassen, bleibt die Fähigkeit, Bedürfnisse auszudrücken. Konsens ist für mich zentral: Ich beobachte genau, was die Person mag, was sie ablehnt, was ihr guttut. Die Lebensgeschichte hilft mir dabei enorm. Sie zeigt mir, welche Muster, Vorlieben und biografischen Anker ich berücksichtigen kann.
Zusammenarbeit mit Angehörigen und Betreuer:innen
Eine gute Begleitung gelingt nur im Team. Der Austausch mit Angehörigen, Betreuer:innen und Fachkräften ist für mich essenziell. Sie kennen die Person oft seit vielen Jahren und können wertvolle Hinweise geben. Gleichzeitig erleben sie, wie meine Besuche neue Energie bringen, wie Nähe wieder möglich wird und wie sich die Stimmung der Klient:innen verändert.
Für mich ist diese Arbeit ein Geschenk.
Zu sehen, wie ein Mensch mit Demenz wieder lächelt, sich sicher fühlt, Nähe zulässt und ein Stück Lebensfreude zurückgewinnt, das ist der Grund, warum ich tue, was ich tue.
Mein Kollege Thomas Aeffner hat einen tollen Blogbeitrag geschrieben vielleicht möchtest Du ihn lesen. Ein Geschenk der Nähe.
Auch mein Projekt Inklusiv Intim klärt auf, wir sind bald auf der Altenpflegemesse in Essen, diese ist vom 21.04 -23.04.26. An unserem Stand 310 in Halle 8 werden wir zweimal täglich Sprechstunden anbieten zu dem Thema. Ich freue mich Euch dort zu sehen.






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