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22 Jahre Sexarbeit

  • vor 5 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit
zeigt mich selbst auf der Geestemünder Straße
Geestemünder Straße Köln

Die Straße – Wo alles begann


Wenn ich heute über meine Arbeit spreche, hört man eine Frau, die weiß, wovon sie redet. Eine Frau, die Grenzen kennt, Verantwortung trägt und Standards setzt.

Doch meine Geschichte beginnt nicht in Fachkreisen, nicht in Workshops, nicht in Projekten wie INKLUSIV INTIM oder VIA.


Sie beginnt auf der Straße.

Ein Einstieg, den niemand plant – aber den manche meistern 2004 war ein Jahr, das mich geprägt hat. Nicht, weil ich damals schon wusste, wohin mein Weg führen würde, sondern weil ich mich in einer Realität wiederfand, die viele Menschen nie verstehen werden.

Straßensexarbeit ist rau, direkt, ungeschönt. Sie ist geprägt von Begegnungen, die intensiv sind – manchmal schön, manchmal gefährlich, immer echt.

Ich lernte schnell, was es bedeutet, mich selbst zu schützen.

Ich lernte, Situationen zu lesen.

Ich lernte, Menschen zu lesen.

Und ich lernte, dass Respekt nicht verhandelbar ist.

Die Straße als Lehrmeisterin

Viele Fachkräfte sprechen über „Praxisnähe“. Ich habe sie gelebt.

Auch die Abgründe lernte ich kennen, war gefangen in einer Loverboy Geschichte.


Die Straße brachte mir bei:


• wie ich Grenzen setze,

• wie ich Risiken erkenne,

• wie ich mit Menschen kommuniziere, die selbst keine Worte finden,

• wie ich in Sekunden entscheide, was sicher ist und was nicht.


Diese Fähigkeiten sind heute ein Teil meiner Professionalität – und sie sind der Grund, warum Kolleg*innen, Einrichtungen, Organisationen und sogar Polizeischulen mich als Expertin einladen.


Kein Opfer, keine Heldin – sondern eine Frau, die Verantwortung übernimmt

Ich habe nie versucht, meine Vergangenheit zu verstecken. Ich habe sie genutzt.

Ich habe aus Erfahrungen Wissen gemacht.

Aus Wissen Kompetenz.

Aus Kompetenz eine Stimme.


Und genau das macht meine Geschichte so wertvoll:

Sie zeigt, dass Sexarbeit nicht eindimensional ist. Dass Menschen darin wachsen können. Dass Expertise nicht immer aus klassischen Wegen entsteht.


Ein Kapitel, das nicht endet – sondern trägt

Die Jahre auf der Straße waren kein dunkles Kapitel, das ich hinter mir lassen musste. Sie waren ein Fundament. Ein Ort, an dem ich gelernt habe, wer ich bin und was ich kann.

Und sie waren der Ausgangspunkt für alles, was danach kam.


zeigt einen steinigen Weg der aber blüht
Mein Weg war steinig aber stärkend

💠 Was meine ehrenamtliche Arbeit ausmacht


Ich setze mich freiwillig und unentgeltlich dafür ein, dass Sexarbeitende respektiert, geschützt und gehört werden. Dabei arbeite ich sowohl auf individueller Ebene als auch strukturell.


• Ich stärke die Rechte von Sexarbeitenden und kämpfe für faire, realistische gesetzliche Rahmenbedingungen.

• Ich arbeite aktiv daran, Stigmatisierung abzubauen und Wissen über Sexualität, Inklusion und professionelle Sexualassistenz zu vermitteln.

• Ich setze mich besonders für Menschen mit Behinderungen, kognitiven Einschränkungen oder Pflegebedarf ein, deren sexuelle Selbstbestimmung oft übersehen wird.

• Ich fördere Professionalität und Standards in der Sexualassistenz und unterstütze Kolleg*innen in Fragen von Sicherheit, Selbstorganisation und Empowerment.


🧭 Bereiche, in denen ich aktivistisch wirke


1. Politische und gesellschaftliche Interessenvertretung

Ich bringe meine Expertise in Verbänden, Netzwerken und Fachgremien ein, entwickle Positionen und Leitlinien und spreche mit Politik, Behörden und Institutionen über notwendige Verbesserungen. Dabei setze ich mich für realistische, menschenwürdige und diskriminierungsfreie Regelungen ein.

2. Aufklärung und Sensibilisierung

Ich schule Fachkräfte, Einrichtungen und Angehörige, kläre über Sexualität, Grenzen, Einvernehmlichkeit und Inklusion auf und mache Missstände sichtbar. Mein Ziel ist es, Verständnis zu schaffen und Berührungsängste abzubauen.

3. Schutz und Empowerment von Sexarbeitenden

Ich unterstütze Kolleg*innen bei Fragen zu Rechten, Sicherheit und Arbeitsbedingungen und setze mich gegen Diskriminierung, Gewalt und institutionelle Grenzverletzungen ein. Ich arbeite dafür, dass Sexarbeitende als Fachkräfte ernst genommen werden.

4. Inklusive Sexualassistenz als Menschenrecht

Ich entwickle Konzepte wie VIA – Versatile Inclusive Assistance – und berate Einrichtungen, wie sie Sexualassistenz verantwortungsvoll und barrierefrei integrieren können. Für mich ist sexuelle Selbstbestimmung ein Grundrecht, das niemandem verwehrt werden darf.


🌱 Wirkung meines Engagements


Durch meine ehrenamtliche Arbeit trage ich dazu bei, dass:


• Sexarbeitende mehr Sicherheit und Anerkennung erfahren,

• Menschen mit Behinderungen Zugang zu selbstbestimmter Sexualität erhalten,

• Einrichtungen und Fachkräfte professioneller und sensibler handeln,

• gesellschaftliche Vorurteile abgebaut werden,

• Grenzverletzungen und Machtmissbrauch sichtbarer gemacht und verhindert werden.


Ich verstehe mich als Brückenbauerin zwischen Sexarbeit, Inklusion, Pflege, Politik und Öffentlichkeit – und als Stimme für diejenigen, deren Bedürfnisse oft überhört werden.

Zeigt eine Aktivisten Gruppe
Respect Sexwork


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