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Die Vielfalt der Sexarbeit – und warum wir gute Arbeitsbedingungen statt Verbote brauchen

  • vor 5 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit
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Sexarbeit ist ein vielfältiges, professionelles und gesellschaftlich relevantes Berufsfeld. Dazu gehören Sexualassistenz, Escort, Domina‑ und BDSM‑Arbeit, Tantra, Studiosexarbeit, Online‑Sexarbeit und Straßenprostitution und vieles mehr. Jede dieser Formen bringt eigene Anforderungen, Zielgruppen und Kompetenzen mit. Diese Vielfalt zeigt, wie unterschiedlich die Lebensrealitäten von Sexarbeitenden sind – und warum pauschale Verbotsmodelle an der Realität vorbeigehen.

Als Vorstandsvorsitzende des Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD) setze ich mich dafür ein, dass diese Vielfalt sichtbar wird und Sexarbeitende die Rechte, Anerkennung und Arbeitsbedingungen erhalten, die sie verdienen.


🌈Ein Berufsfeld mit vielen Spezialisierungen


Sexarbeit ist kein einheitlicher Beruf. Sie umfasst:


• Sexualassistenz für Menschen mit Behinderung, Demenz oder Pflegebedarf – inklusive körpernaher Assistenz, Kommunikation, Barrierefreiheit und traumasensibler Begleitung.

• Escort mit Fokus auf Gespräche, soziale Begleitung, emotionale Präsenz und repräsentative Situationen.

• Domina‑ und BDSM‑Arbeit mit klarer Rollenführung, psychologischer Kompetenz und umfassendem Sicherheitswissen.

• Tantra und sinnliche Körperarbeit mit Achtsamkeit, Atemarbeit und Körperbewusstsein.

• Studiosexarbeit mit Teamstrukturen, festen Räumen und klaren Abläufen.

• Online‑Sexarbeit mit digitaler Kommunikation, Community‑Management und Grenzsetzung im virtuellen Raum.

• Straßenprostitution als niedrigschwelliger Zugang für Menschen mit wenig Ressourcen.


Diese Vielfalt ist Ausdruck von Professionalität, Anpassungsfähigkeit und der Fähigkeit, sehr unterschiedliche Bedürfnisse zu begleiten.


🛑 Warum ein Sexkaufverbot nicht schützt


Viele Fachstellen, Beratungsstellen, Menschenrechtsorganisationen und der BesD sehen ein Sexkaufverbot kritisch. Ein Verbot kriminalisiert die Kundschaft – und trifft damit indirekt alle Sexarbeitenden, unabhängig davon, ob sie freiwillig, sicher und professionell arbeiten.


Die zentralen Risiken:


• Verdrängung in unsichere Räume: Termine finden versteckter statt, Sicherheitschecks werden erschwert, Gewaltprävention wird schwieriger.

• Weniger Zugang zu Schutz und Hilfe: Wer im Verborgenen arbeitet, hat weniger Kontakt zu Polizei, Gesundheitsdiensten oder Beratungsstellen.

• Mehr Abhängigkeit von Drittpersonen: Wenn Kundschaft Angst vor Strafe hat, sinkt die Verhandlungsmacht der Sexarbeitenden.

• Stigmatisierung statt Schutz: Verbote verstärken Vorurteile und erschweren es, offen über Gewalt, Gesundheit oder Arbeitsbedingungen zu sprechen.

• Keine Unterscheidung zwischen freiwilliger und unfreiwilliger Arbeit: Ein Verbot trifft alle – auch diejenigen, die selbstbestimmt arbeiten und niemandem schaden.

Ein Sexkaufverbot schützt nicht. Es gefährdet.


🧭 Was wir stattdessen brauchen


Der BesD und viele internationale Fachorganisationen setzen sich für Rahmenbedingungen ein, die Sicherheit, Selbstbestimmung und Menschenrechte stärken:


• Rechtliche Anerkennung als Arbeit

• Sichere Arbeitsorte und klare Strukturen

• Gesundheitliche Versorgung ohne Stigma

• Schutz vor Gewalt ohne Angst vor Repression

• Faire Arbeitsbedingungen und transparente Regeln

• Entkriminalisierung statt Verdrängung


Nur unter solchen Bedingungen können Sexarbeitende sicher, selbstbestimmt und professionell arbeiten – und Ausbeutung kann dort bekämpft werden, wo sie tatsächlich stattfindet.


🌍 Warum diese Perspektive wichtig ist


Die Vielfalt der Sexarbeit zeigt, dass ein Verbot alle trifft – auch diejenigen, die verantwortungsvoll, freiwillig und professionell arbeiten. Gute Arbeitsbedingungen dagegen stärken:


• Selbstbestimmung

• Sicherheit

• Gesundheit

• Transparenz

• Menschenrechte


Und sie ermöglichen es, Ausbeutung gezielt zu bekämpfen, ohne Sexarbeitende unter Generalverdacht zu stellen.

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